6th of July 2009
 

Herr Brahmst

Herr Brahmst Herr Brahmst ist einer von denen. Einer von denen, die in einer Reihenhaussiedlung wohnen, zwei Kinder haben, einen Hund und eine Frau. Herr Brahmst ist einer von denen die es geschafft haben. Und er ist auch einer von denen, die ganz wichtig sind. So kommt es, dass Herr Brahmst jeden Tag früh aus dem Haus geht und erst wieder kommt, wenn die Sonne schon lange untergegangen ist, die Kinder im Bett und das Haus wieder aufgeräumt. Aber Herr Brahmst ist dennoch ein guter Vater. Er bezahlt den Reitunterricht für Lena (6) und den Fußballverein für Philipp (8). Auch das Taschengeld wird immer pünktlich ausgezahlt. Und weil Herr Brahmst eine so tolle Familie hat, lädt er sie einmal im Jahr ein. Zum Familienurlaub. Ganze drei Wochen, denn Mann muss ja den Kollegen und Freunden was zu erzählen haben. Und um zu zeigen, was für ein toller Hecht Herr Brahms doch ist, mit der tollen Ferienwohnung, so nah am Strand und dem Freizeitangebot in der Gegend! Das blöde ist nur, dass Herr Brahmst einer von den ganz wichtigen ist. Und die können sich nicht mal eben drei Wochen Urlaub nehmen. Gerade im Sommer, wo Herr Brahmst doch so gebraucht wird. Somit ist es jedes Jahr das gleiche Spiel. Frau Brahmst und die Kinder fahren schon mal vor, der Hund ist solange bei Herrn Brahmst Schwiegereltern und die Blumen werden für einen absoluten Dumpinglohn von der Nachbarstochter gegossen, denn Herr Brahmst kann sich ja nicht um alles kümmern. Aber zurück in den Urlaub. Da Frau Brahmst und die Kinder schon mal vorgefahren sind, haben sie genug Zeit, den günstigsten Supermarkt zu finden, den kürzesten Weg zum Strand und natürlich können die Kinder schon in der Landessprache ein Eis bestellen. Auch sind die Kinder nach einer Woche so vorgebräunt, dass man mittlerweile bei niedrigeren Lichtschutzfaktoren angekommen ist und ihnen nicht andauernd hinterherlaufen muss, um sie ans Eincremen zu erinnern. Es ist also alles so weit, für Herr Brahmst, wenn er dann nach der ersten Woche, für eine Woche, kommt. Am ersten Abend bringt er die Kinder ins Bett und dann ist er, jedenfalls einmal im Jahr, nur für Frau Brahmst da. Jetzt ist sie dran, mit all den Problemen der letzten Woche, dem vergessenden Lieblingsshirt der Tochter und der grade neu gekauften Badehose. Dem Verlaufen am Flughafen und wie dann doch noch alles gut wurde. Sie erzählt vom Erlebten und den kleinen Heldentaten im Urlaubsalltag. Und wenn Herr Brahmst nicht alles falsch macht und wieder davon anfängt, Frau Brahmst zu erzählen wie der Haushalt zu führen ist und die Kinder zu erziehen sind, kümmert sich Herr Brahmst nicht nur auf physiologischer Ebene um Frau Brahmst. Aber dann ist er endlich da, der erste ganze Urlaubstag mit Herr Brahmst, Frau Brahmst und Lena und Philipp. Und somit auch das erste Frühstück, welches liebevoll von Frau Brahmst zubereitet wird. Mit Brötchen, die die Kinder beim nächten Bäcker kaufen haben und Herr Brahmst der sich bedienen lässt und doch so beschäftigt ist, den Tag zu planen. Denn immerhin ist Familie Brahmst in einem anderen Land und einer anderen Kultur, die es zu entdecken gilt. Und deswegen geht es auch gleich nach dem Frühstuck los. Zu erst ist die historische Altstadt des Urlaubortes dran. Mit dem alten Rathaus, den schönen Kirchen und schönen Gassen, durch die schon so bedeutende Menschen gegangen sind. Und alle sind ja so froh, dass Herr Brahms zu jedem Stein etwas zu erzählen hat. Gerade die Kinder, Philipp ist ja so interessiert und will alles wissen. Ganz der Papa denkt sich Herr Brahmst. Und weil das alles noch nicht genug Input für einen Tag ist, geht es ohne Pause weiter zu der alten Burg oben auf dem Berg über der Stadt. Und auf dem Weg meldet auch Lena ihr Interesse an der neuen Kultur an, zwar auf einer ganz anderen Art und Weise, wie Philipp, denn der fragt immer wie lange noch und will damit zum Ausdruck bringen, dass er doch noch so viel mehr sehen will. Nein, Lena macht das ganz anders, sie sagt, sie habe Hunger. Und möchte damit eigentlich fragen, welche Essgewohnheiten es her gibt und welches die landestypischen Gerichte sind. Aber da muss sich Lena noch was gedulden, denn immerhin sind sie erst seit fünf Stunden unterwegs und bis zur ersten geplanten Pause sind es noch mindestens drei ein halb. Und so zieht sich der Tag weiter hin, bis abends alle hundemüde weder in der Ferienwohnung ankommen. Und Herr Brahmst mal wieder beweisen konnte, was für ein toller Papa er ist mit all seinem Wissen. Und so ein Tag hat nicht nur dem Vorteil, dass alle etwas klüger zu Bett gehen, als sie aufgestanden sind, nein Herr Brahmst konnte auch seine Autorität gegenüber seinen Kindern beweisen. Und einmal wieder zeigen, dass er nicht nur im Büro die geborene Führungsperson ist. Und als Frau Brahmst die Kinder ins Bett bringt fragt Lena, wie lange es denn noch dauert, bis sie wieder den Urlaub genießen und an den Strand gehen kann. Und Philipp sagt aus dem Kopf, ohne lange nach zu denken: in fünf Tagen!

Clipart: FETC     Theme: Robert Boylan     Host: Tumblr     Feed: RSS     History: Archive